Peter Geltat Trio

Die Klappstuhlkonferenz

Lebensqualität stiften und Zusammenhalt stärken

01.09.2020 - 31.12.2022


Am Anfang war der Klappstuhl. Die Idee ist simpel. Nur wer aus dem Alltäglichen zur Ruhe kommt, kann seinen Blick für etwas anderes, neues schärfen. Dazu muss ein „Klappstuhl“ her, der ist transportabel und erlaubt es an Orten Platz zu nehmen, die wir trotz ständigen Aufenthalts in unserer Stadt so noch nie gesehen haben. Wir kommen zur Ruhe und schicken unseren Blick an diesem Ort auf die Suche nach der einen Idee, die uns gefällt und überzeugt, weil sie uns voranbringen könnte.

Die „Klappstuhlkonferenz“ ist eine mobile Beteiligungsform für Einwohner*innen jeden Alters im unmittelbaren Lebens- und Wohnumfeld. Die Stadt einmal mit anderen Augen zu sehen, ist der Ausgangspunkt für einen demokratischen Prozess interagierender kommunikativer Stadtentwicklung. Sich ärgern und aufregen über all das, was nicht funktioniert und nicht passiert, wird getauscht gegen die Entwicklung eigener Ideen zur Veränderung der Situation. Und das dort, wo die Ursache für unseren Verdruss zuhause ist. Die „Klappstuhlkonferenz“ setzt sich an Orte, die schön sind, Orte, die erschrecken, Orte, die Potentiale haben und veränderungswürdig sind, Orte, die wir ansonsten nie im Detail sehen.

Und genau hier entstehen die Ideen für die Entwicklung der kleinen Stadt in der wir wohnen. Bürgerschaftliches Engagement will so die Potentiale der Menschen eines Wohnortes nutzen, um Ideen zu entwickeln, die partnerschaftlich diskutiert und dann gemeinsam realisiert oder zur Realisierung vorgeschlagen werden.

Der Klappstuhl bietet als besondere Form des Sitzmöbels die nötige Flexibilität, wenn es darum geht, den Ort und auch in übertragenem Sinne „den Blick“ zu wechseln. Zahlreiche Klappstühle an einer Straßenecke, mit Blick auf ein verfallenes Gebäude, das trotz seiner Tradition nichts mehr von seiner Geschichte erzählt. Kinder und alte Menschen sitzen, schauen, fragen und erzählen, einfach so im öffentlichen Raum.

„Früher war hier…“, „Ich erinnere noch…“, „Hier könnte man…“, „Warum nicht einmal…“ oder oder… So werden gemeinsam Ideen für die Ortsentwicklung gesammelt und nach und nach in weiteren Schritten bearbeitet. Von größerer Bedeutung ist dabei die individuelle Geschichte der Menschen, ihrer Häuser und Plätze.

Die „Klappstuhlkonferenz“ gibt Raum für konstruktive Auseinandersetzungen mit dem eigenen Lebensumfeld in einem demokratischen Dialog. Sie motiviert zu ehrenamtlichem Engagement und zeigt, wie wirkungsvoll Beteiligung sein kann. Vor allem aber werden die Beteiligten mit ihrer persönlichen Befindlichkeit ernst genommen.


 
 

Gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“

 
 
Zusammenhalt durch Teilhabe
BMI
 

"Die Klappstuhlkonferenz" ist ein Beteiligungsprojekt des "Freundeskreis Popkultur e.V." in Kooperation mit der Bürgerinitiative "TOSA - Tosamen für Sült - gemeinsam für Bad Sülze"

 
 

Das Video wurde in Eigenregie mit dem Ziel produziert, Fördergeber für das dort beschriebene Vorhaben zu interessieren.

 
 

Das Video wurde in Eigenregie mit dem Ziel produziert, Fördergeber für das dort beschriebene Vorhaben zu interessieren.

 
 
 

Die Klappstuhlkonferenzen


Sa, 24.07.2021, 11.30 Uhr, Neubauten Krähenberg

  • Eltern und Einwohner*innen im Gespräch zum Thema: "Spielplätze" - Ist der mobile Spielplatz eine gute Alternative für unsere Kinder?

Sa, 24.07.2021, 15.30 Uhr, Gänsemarkt

  • Lockere Gespräche bei Kaffee und Kuchen zum Thema: "Das Alter genießen" - Unsere Stadt für Menschen im Ruhestand
 

Die Klappstuhlkonferenz am Gänsemarkt

"Es ist schade um die leerstehenden Geschäfte. Kleine Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungsangebote würden das Stadtzentrum beleben."

"Wir Älteren brauchen einen sicheren Fußgängerüberweg über die innerörtliche Landesstraße! ... und ein Limit mit Tempo 30 wäre in der ganzen Stadt gut."

"Es fehlen Orte, an denen man sich treffen und miteinander Zeit verbringen kann. Was haben wir früher gefeiert! Wie schön wären Freizeitangebote für Senior*innen."

 

Sa, 06.08.2021, 11.30 Uhr, Neubauten Mühlenberg

  • Eltern und Einwohner*innen im Gespräch zum Thema: "Auf sicheren Wegen" - Wie sicher sind die Schulwege und Spielorte unserer Kinder?
 

Die Klappstuhlkonferenz in der Neubausiedlung auf dem Mühlenberg

Leider war die Resonanz bei den Eltern nicht so hoch, wie erwünscht. Das parallele mobile Spielangebot zum Ausprobieren, wurde jedoch von vielen Kindern genutzt. Schade, aber das gehört zu den Ersterfahrungen eines neuen Formates. Ergebnisse zum Thema gab es keine.

 

Sa, 16.10.2021, 11.30 Uhr, Eigenheimsiedlung Krähenberg

  • Eigentümer*innen im Gespräch zum Thema: "Probleme in unserer Siedlung"

 

Die Klappstuhlkonferenz in der Eigenheimsiedlung auf dem Krähenberg

Mehr als 40 Interessierte waren der Einladung zur Klappstuhlkonferenz am Sonnabend Vormittag gefolgt. Eine Vielzahl von Problemen und Anliegen wurde in Augenschein genommen, festgehalten und zur Bearbeitung weitergegeben. Darunter waren folgende Themen:

- schlechter Zustand der Straßen und der Straßenbeleuchtung

- unzureichende Zuwegungen zum Krähenberg

- Zustand des Denkmals

 

Fr, 17.06.2022, 17.00 Uhr, Markt

  • Einwohner:innen im Gespräch zum Thema: 
  • "Das Stadtbild und die verfallenen Häuser ... und wie sich unsere Stadt entwickeln soll"

 

Die Klappstuhlkonferenz auf dem Markt

Mit Blick auf das "erste Haus am Platz" unter den verfallenen Häusern trafen sich 75 Einwohner:innen zur 5. Klappstuhlkonferenz. Mit dabei waren diesmal die Bürgermeisterin Dr. Doris Schmutzer sowie Stadtvertreter:innen beider Fraktionen. 

Moderiert von Stefanie Wendt und Jürgen Groth unter der Projektleitung von Uwe Bobsin wurden zunächst Themen der Stadtentwicklung aufgeblättert und anschließend rege diskutiert. Darunter

  • die aktive politische Zusammenarbeit der Fraktionen beim Stadtumbau,
  • die 60 identifizierten verfallenen und sanierungsbedürftigen Gebäude der Innenstadt,
  • Parken und Fahren in der Innenstadt,
  • das Einzelhandelskonzept und die Planung neuer Einkaufsmärkte für die Stadt,
  • wie die Ergebnisse der 4. Klappstuhlkonferenz den Weg ins Rathaus gefunden haben und
  • welche Lösungen der Stadtentwicklung bis wann zu erwarten sind.

Die Klappstuhlkonferenz wurde von vielen Beteiligten als sehr angenehmes und informationsreiches Beteiligungsformat gewertet. Die Bürgermeisterin und die Veranstalter waren sich darüber einig, das Format beizubehalten und häufiger einzusetzen, um Fragen, Ideen und Meinungen der Einwohner:innen zu beantworten, zu sammeln und für die politische Weiterarbeit zu nutzen.

Nach gut 75 Minuten Information und Diskussion in großer Runde konnten so manche Fragen noch in Einzelgesprächen geklärt werden. Im Vergleich dazu nehmen durchschnittlich an den "Einwohnerfragestunden" der Stadtvertretersitzungen 0-5 Einwohner:innen mit persönlichen Fragen teil. Und im gesamten öffentlichen Teil einer Stadtvertretersitzung gelingt es nicht, sich einen allgemeinen Überblick über den Stand der Stadtentwicklung zu machen.

"Wir sitzen am Ort des Geschehens und reden über die Probleme der Stadt. Darum ist die Klappstuhlkonferenz so geeignet, sich zu beteiligen und beteiligt zu werden."

 

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